Die OeBFA als Treasury des Bundes verfolgt gemäß den Vorgaben des Bundesministeriums für Finanzen eine risiko-averse Geschäftspolitik. Bei der Erfüllung ihrer Aufgabe ist das Eingehen gewisser finanzmarktspezifischer Risiken unvermeidbar. Leitlinie ist es, die Risikominimierung prioritär vor Ertragsziele bzw, Kostenminimierungsziele zu stellen.
Präzisiert wird die Risikopolitik der OeBFA durch eine Reihe von Risikomanagement-Richtlinien, die vom Aufsichtsrat der OeBFA genehmigt werden. Die Einhaltung dieser Risikomanagement-Richtlinien wird durch permanente Risikocontrollingprozesse laufend überwacht und dokumentiert. Auf Grund der fundierten Datenaufbereitung für das Bundesministerium für Finanzen leistet die OeBFA einen wichtigen Beitrag bei der Beurteilung der Risikotragfähigkeit des Staates. Dabei orientiert sich die OeBFA an den internationalen Best Practices für Staatsschuldenmanager und an den aktuellen Vorschriften für die Finanzbranche.
Risikomanagementprozess
Im Risikomanagement der OeBFA kommt ein fünfstufiger Risikomanagementprozess zur Anwendung:
1. Risikoidentifizierung
2. Risikomessung
3. Risikobegrenzung (Limitvergabe)
4. Risikoüberwachung (Limitkontrolle)
5. Berichtswesen und Validierung
Risikoarten
Nachfolgend sind die wichtigsten Risiken angeführt, denen das von der OeBFA im Namen und auf Rechnung des Bundes verwaltete Finanzportfolio ausgesetzt ist.
Zinsänderungsrisiko
Beim Zinsänderungsrisiko wird unterschieden zwischen dem Zinszahlungsrisiko, also dem Risiko steigender Zinsenzahlungen für bestehende und zukünftige Finanzierungen (Cash Flow at Risk) und dem Marktwertrisiko, dem Risiko von Opportunitätsverlusten bei langfristigen Anleiheemissionen mit fixem Kupon bei sinkenden Zinsen (Value at Risk).
Kreditrisiko
Kreditrisiken haben vor allem zwei Ursachen:
- Kreditrisiko aus der Veranlagung
Die Liquiditätsreserve wird kurzfristig veranlagt, um möglichst rasch darüber verfügen zu können. Trotz der kurzfristigen Veranlagung bei Institutionen mit Topbonitäten verbleibt stets ein unvermeidbares Restkreditrisiko.
- Kreditrisiko aus derivativen Finanztransaktionen
Bei der Durchführung von derivativen Finanztransaktionen entstehen Kreditrisiken, die durch einen Ausfall der Gegenpartei schlagend werden können. Derivate werden mit einer Laufzeit von bis zu 30 Jahren abgeschlossen. Durch den Abschluss von Sicherheitenvereinbarungen wird das Kreditrisiko aus Derivaten wesentlich reduziert.
Liquiditätsrisiko
Das Liquiditätsrisiko besteht darin, dass die vorhandene Liquiditätsreserve im Krisenfall nicht ausreicht, um die Zahlungsverpflichtungen des Bundes zu erfüllen und die erforderlichen Mittel nicht sofort oder nur zu schlechten Konditionen am Markt beschafft werden können.
Operationelles Risiko
Unter dem operationellen Risiko versteht man die Gefahr eines Verlusts auf Grund von Unangemessenheit oder Versagens interner Abläufe jeglicher Art oder unvorhersehbarer externer Ereignisse, wie z.B. Naturkatastrophen.
Reputationsrisiko
Unter Reputationsrisiko wird die Gefahr verstanden, dass durch öffentliche Berichterstattung über Transaktionen und Geschäftspartner oder über bestimmte Geschäftspraktiken die Reputation des Bundes negativ beeinflusst wird.
Fremdwährungsrisiko
Dem Fremdwährungsrisiko unterliegen alle Transaktionen, die nicht in Euro denominiert sind bzw. deren Vereinbarungen eine offene und ungesicherte Wechselkurskomponente beinhalten.Vom Gesamtschuldenstand sind 98% in Euro denominiert.
Rechtsrisiko
Unter Rechtsrisiko wird die potentielle Verpflichtung zur Zahlung von Geldstrafen, Konventionalstrafen oder Schadenersatzzahlungen verstanden. Bei den Risikofaktoren wird zwischen externen Risiken (bspw. mangelnde Rechtssicherheit bestimmter Jurisdiktionen, Nichtberücksichtigung gesetzlicher Grundlagen oder Judikaturänderungen, mangelnde Kenntnis von Durchsetzungsmaßnahmen iZm. Verträgen auf Basis fremder Rechtsordnungen) und internen Risiken (bspw. mangelnde Fortbildung von Mitarbeitern, mangelhafte Dokumentation von Verträgen, mangelhafte externe juristische Betreuung) unterschieden.